Pressemitteilung 5/2010
„Leiten und Trösten“ hieß das Thema der Oberinnentagung des Kaiserswerther Verbandes KWV, zu der sich vom 19.-21. April rund vierzig Oberinnen und leitende Schwestern der Mitgliedshäuser des Verbandes im Oldenburgischen Diakonissenhaus Elisabethstift versammelten.
Trösten und Leiten hing zu Zeiten des Neuen Testaments eng zusammen, so Claudia Janssen, Privatdozentin am Frauenstudien und Bildungszentrum Hofgeismar (FSBZ). Paulus habe in seinen Briefen das „Trostverbundsystem“ aufrufen, ermutigen, ermahnen, trösten beschrieben. „Trost als Zuspruch, der Menschen rettet, wird zur Substanz eines Kreislaufs, der fortwährend weiter wirkt“, so Janssen. Zwischen Menschen könne Trost deshalb an alle weitergegeben werden, „weil alle bedürftig sind“. Durch diese Verbundenheit habe der Trost einen lebensstiftenden Sinn. Janssen: „Es geht um Kooperation und Akzeptanz, nicht um Autorität.“ Dieses Bild könne für die Diakonie heute leitend sein.
Paulus habe die ideale Gemeinde als Körper und Gabengemeinschaft beschrieben. Sie sei das Gegenbild zu Machtstrukturen, Herrschaft und Gewinnmaximierung. „Diese Spannung zwischen den Ansätzen der Seelsorge und der Ökonomie hat sich bis heute nicht erledigt. Sie ist eine Herausforderung für die Diakonie und die Diakonischen Gemeinschaften“, ergänzte die KWV-Geschäftsführerin Christine-Ruth Müller.
Management und Seelsorge seien oft nur schwer miteinander vereinbar, formulierten die Teilnehmerinnen im anschließenden Erfahrungsaustausch. Durch den Umfang an Managementaufgaben könne die Seelsorge zu kurz kommen. Diese sei jedoch „Schwerpunktaufgabe für Oberinnen“. Große Freude bestehe wiederum darüber, dass junge Menschen über Bildungsgänge zur Erlangung von Zusatzqualifikationen in die Diakonischen Gemeinschaften kämen. Bleibende Herausforderung sei es, innerhalb größerer Werke bei den anderen Mitarbeitenden das Interesse an „Diakonie in Gemeinschaft“ zu wecken.
Der Kaiserswerther Verband (KWV) steht für die Wahrnehmung diakonischer Aufgaben in der evangelischen Kirche in der Tradition der Mutterhausdiakonie Kaiserswerther Prägung. Er vertritt Diakonie in der besonderen Form als Diakonie in Gemeinschaft. Seit über 90 Jahren ist der KWV ein Netzwerk der diakonischen Kompetenz und der christlichen Nächstenliebe. Er ermöglicht den Mitgliedern einen christlich orientierten Werteaustausch, vertritt die Mitglieder in unterschiedlichen politischen, kirchlichen und diakonischen Ebenen und unterstützt die Mitglieder in ihrer Vernetzung. Der KWV verbindet über 70 diakonische Gemeinschaften und Werke in Deutschland.
Berlin/Bern, den 4. Mai 2010
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04.05.2010 Thomas Flügge
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