Von 1963 bis 1976 leitete Diakonisse Hildegard Kalthoff als Oberin die Geschicke der Speyerer Diakonissenanstalt und beobachtet bis heute aus dem Feierabend rege die Entwicklungen, die das Mutterhaus nimmt. An ihrem hundertsten Geburtstag am 13. Juli empfing sie zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft und ließ sich von ihren Mitschwestern feiern.
Einer der ersten Gratulanten rief aus Japan an und erinnerte so an die vielfältigen internationalen Kontakte, die die ausgebildete Krankenschwester und Missionarin bis heute pflegt. Ihr Berufsziel nach dem Schulabschluss sei es gewesen, „für Menschen frei zu sein, die Hilfe benötigen“, so die Jubilarin. Dieses Ziel verfolgte sie mit einer Krankenpflegeausbildung in Hamburg, dem Besuch der Bibelschule in Dortmund und ihrer Tätigkeit beim Mädchenbibelkreis (MBK) in Leipzig. Eine missionarische Reise nach China wurde 1939 noch durch den Kriegsausbruch verhindert. Erst im Sommer 1948 trat sie ihre Reise an und war als Krankenschwester im Missionsdienst in China, bis die Kommunisten 1951 alle Ausländer auswiesen und sie in die MBK-Zentrale, mittlerweile in Bad Salzuflen, zurückkehrte.
Vor ihrer China-Reise hatte die gebürtige Wuppertalerin nach bewegten Kriegsjahren, die sie überwiegend in Berlin verbrachte, Kontakte geknüpft, die später zu einer wichtigen Entwicklung in ihrem Leben führen sollten: Sie war als Reisesekretärin des MBK in Deutschland unterwegs und lebte für einige Zeit im Speyerer Mutterhaus. Daran erinnerte sich der Schwesternrat, als Sr. Else Krieg 1962 ankündigte, ihr Oberinnenamt in jüngere Hände geben zu wollen: „Mit unseren Schwestern stand sie in einer guten und treuen Gemeinschaft… und hat als diakonischer Mensch mit ihnen gelebt“, so die Hausschrift Phöbe von 1963: Das Fräulein Kalthoff habe „nicht nur die Mentalität der Pfälzer, sondern auch unser Mutterhaus und die Art unserer Schwesternschaft näher kennen und verstehen gelernt.“
Die heute 100jährige entschied sich, die Verantwortung in Speyer zu übernehmen, wurde im Juni 1963 eingesegnet und übernahm am 26. Oktober das Amt der Oberin von Else Krieg. Ihre Stellvertreterin wurde Sr. Ilse Wendel, die ihr 1976 im Amt nachfolgte und bis heute eine enge Vertraute ist.
Gemeinsam feierten sie den runden Geburtstag und erinnerten sich mit den persönlichen und prominenten Gästen an Sr. Hildegards Zeit als Oberin, die geprägt war von tiefen Umbrüchen und Wandel. Zum Beispiel erlebte die Jubilarin den Rückgang der Schwesternzahl, begleitete die Umstrukturierung der Gemeindestationen sowie zahlreiche Um- und Neubauten, darunter den Krankenhausneubau 1967.
Für ihr Engagement als Oberin dankte ihr Vorsteher Pfarrer Dr. Werner Schwartz an ihrem Ehrentag, aber auch „für die Jahre danach, in denen Sie hier im Feierabend leben, hin und wieder Anstöße geben und dafür sorgen, dass der gute Geist des Mutterhauses erhalten bleibt.“
Bereits am Geburtstagsmorgen überbrachte Oberbürgermeister Werner Schineller Glückwünsche der Stadt und des Ministerpräsidenten, bevor am Nachmittag im Mutterhaus-Festsaal gefeiert wurde, die Festrede zu diesem besonderen Anlass hielt Kirchenpräsident i. R. Eberhard Cherdron zum Thema „Diakonie und Musik“.
15.07.2010 Diakonissen Speyer-Mannheim
Pressemitteilung herunterladen